Der notorische Spammer Scott Richter kann die Auflage
der New Yorker Staatsanwaltschaft, keine anfälligen
Systeme Dritter für seine Zwecke zu missbrauchen,
locker erfüllen, obwohl ihm sein taiwanischer
Internet-Provider Chunghwa Telecom die Leitung kappte:
In die Bresche sprang in der vergangenen Woche eine
US-Niederlassung der T-Systems, die Richters
Internet-Anbindung umgehend wieder herstellte.
Chunghwa Telecom hatte nach knapp sechs wahrscheinlich
nicht sehr angenehmen Wochen praktisch zeitgleich mit
dem New Yorker Vergleich die Reißleine gezogen. Ob die
Deutsche Telekom Richter länger Unterschlupf gewährt,
steht noch nicht fest. Ein Unternehmenssprecher gab
lediglich die folgende Stellungnahme ab: "Sollten wir
einen Missbrauch des Services gemäß Vertrag und
geltendem Recht feststellen, weisen wir den Kunden
darauf hin, dies zu korrigieren. Sollte die Korrektur
nicht erfolgen, dann beenden wir der Vertragsverhältnis
vorzeitig." Er bat um Verständnis dafür, dass Verträge
mit Kunden vertraulich seien.
Bis auf weiteres kann Richter also seine ansehnliche eigene
Serverfarm im IP-Adressbereich 69.6.0.0 bis 69.6.79.255
(derzeit registriert auf WholesaleBandwidth, Inc.) zum
Spammen verwenden -- eine Ausnahmeerscheinung, denn
sonst geht Spam mittlerweile meist über ferngesteuerte
Wurm- und Trojaner-verseuchte PCs (Open Proxies)
ein. Ein Trost ist immerhin, dass sich Mails aus einem
festen Netzbereich einfach per Blacklist blockieren
lassen, während offene Proxies in der Regel unter
ständig wechselnden, dynamisch vergebenen IP-Adressen
auftauchen, was sich in der laufend aktualisierten Blacklist
des iX-Spamfilters
gut beobachten lässt.
Welche Router die Spams von Richter transportieren,
geht nicht direkt aus den Mail-Headern hervor, in denen
sich nur die Mail-Gateways selbst verewigen. Doch wer
den Weg der Spams aus Richters Adressbereich etwa
mittels traceroute verfolgt, findet schnell den
verantwortlichen Router, derzeit
paix-gw12.SFO.US.net.DTAG.DE (62.154.5.245).
Selbst wenn T-Systems diese Spam-Pipeline sofort
abriegeln würde und Richter keine Verträge mit weiteren
Internet-Providern in der Schublade hätte, wäre das
Spam-Problem damit kaum spürbar gemindert: Nach
Erkenntnissen von Spamhaus gibt es allein im
Netz der Telekom über 114.000 offene Proxies -- ein
unrühmlicher sechster Platz weltweit. Und auch der New
Yorker Staatsanwaltschaft dürfte es schwer fallen
nachzuweisen, welche Spammer sich dieser
unwiderstehlichen Infrastruktur bedienen.
(un/iX)